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Wenn sie auf Reisen sind, fragen sie doch mal nach, ob es Ringer in der Nähe gibt. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir eine Reihe von Berichten oder zumindest Fotos vom Ringen in anderen Kulturen zusammentragen könnten.

Matt i Kusti

Im Januar 2007 hatte ich die Gelegenheit eine Reise nach Bangalore zu unternehmen. Neben sowieso schon sehr interessanten Eindrücken, die ich über dieses Land sammeln konnte wollte ich die Chance nutzen und etwas über den Ringkampfsport in Indien erfahren.

Das ist nicht ganz einfach in einer Stadt wie Bangalore, eine Stadt mit ca. 6 Mio. Einwohnern und max. 10 aktiven "Garadi Mane" – sogenannten Ringerhäusern. Auch dort kämpfen die "Garadi Mane" mit ähnlichen Problemen wir hierzulande. Nur wirkt es sich dort noch extremer aus. Wie auch wir müssen sich die "Garadi Mane" um Sponsoren kümmern. Das ist in einem Land mit so viel Armut sicherlich noch schwerer als hier.

Das Ringen – "Kusti" – hat in Indien eine über 1000 Jahre alte Tradition und zählt als eine eigene Subkultur mit eigenem Glauben und Grundsätzen. Es gibt zwei verschiedene Arten: Das "Bed Kusti" entspricht unserem Ringen auf der Matte. Leider hat es nicht geklappt diese Ringer zu besuchen. In der entsprechenden Woche waren sie samt ihrer Matte auf einem 700 km entfernten Turnier. Das "Matt i Kusti" ist das traditionelle Ringen. Hierbei gibt es regionale Unterschiede. Es wird auf der Erde – "Matt i" – und ohne Zeitlimit – "Mar Peet" – gerungen. Gewonnen hat der, der eine bestimmte Punktzahl erreicht.

Die Trainingshalle, die ich besucht habe, ist nicht größer als ein Wohnzimmer und ist Umkleide, Dusche, Kraftraum und "Sporthalle" in einem. Der Kampfbereich, also quasi die Matte, ist etwa drei Mal vier Meter groß und an drei Seiten direkt durch Wände begrenzt. Da holt man sich schon die eine oder andere Schramme. Besonders ungewöhnlich für mich waren die zwei Baumstämme in dem Raum. Aus Respekt vor der Natur wurden die Bäume auf dem Bauplatz des Ringerhauses nicht gefällt. Stattdessen wurden die Decke und das Dach einfach um die Bäume herum gebaut, sodass da nun zwei Löcher sind.

Trainiert wird am frühen Morgen von sechs bis acht Uhr. "Am Morgen sind Geist und Körper noch frisch! Während dem Tag ist der Körper angestrengt. Außerdem ist es nicht so heiß.", sagte der Trainer. Nach dem Aufwärmprogramm muss erst mal die Erde umgegraben werden. Aber auch dies ist ein Teil des Trainings. Es ist für die Kraftausdauer und gleichzeitig eine Atemübung. Dabei wird beim Ausholen tief durch die Nase eingeatmet und beim Schlag durch den Mund ausgeatmet. Danach wird direkt gerungen. Die Technik wird während dem Kampf vermittelt. Der Stil ist unserem Freistil sehr ähnlich. Zusätzlich zum Training müssen die Ringer täglich je 1000 Sit-Ups, Liegestützen und Kniebeugen machen. Gewichte sind für das Training nicht so wichtig.

Um Ringer zu werden muss man sein Leben umstellen. Die Gewohnheiten, die Zeit und die Ernährung richten sich nach dem Ringen. Ein Ringer isst nur wenig Fleisch. Dafür wird täglich ein Mix getrunken, der aus Badamigum (getrocknete Früchte, die zu einer gummiartigen Masse zusammengestampft werden), Milch und Eiern besteht. Die Zutaten werden am Abend verarbeitet und über die Nacht stehen gelassen. Morgens wird die dann dickflüssige Masse getrunken.

"Es werden immer weniger Ringer", beklagt sich der Trainer. Zurzeit trainieren ca. 25 Ringer in diesem Ringerhaus. Allerdings kommen einige von Ihnen unregelmäßig. Es ist ein großes Risiko in Indien Ringer zu sein. Die Verletzungsgefahr ist zu groß. Eine Krankenversicherung ist unüblich. Der Trainier muss für die Kosten, die bei einer Verletzung anfallen aufkommen bzw. einen Sponsor suchen.

Ein Turnier zu veranstalten ist nicht einfach. Seit fünf Jahren versuchen sie vergeblich Sponsoren dafür zu gewinnen. Bei einem kleinen Turnier benötigen sie etwa 100.000 Rupies (ca. 20.000 EUR) für Erde, Transport, Preise, Tribüne Unterkunft, etc.

Ach ja, noch eine Sache. Auch in der Ferne ist es bekannt, "Ghatta"- oder auch "The Symbol" genannt. Was mag es denn wohl sein das Symbol eines Ringers; ja klar: es geht um das Ringerohr.

Vaclav Janoch